Vorstellungen
Filmkritik
Schon die Adaption des Bestsellers „Der Hundertjährige, der aus dem Fenster stieg und verschwand“ (fd 42 242) von Jonas Jonasson war künstlerisch nicht der große Wurf. Während der Roman durch seine Lakonie und die zwingende Handlungsführung bestach, verlor man als Zuschauer in der vielschichtigen Erzählstruktur doch ein wenig den Überblick; die einzelnen Teile wollten nicht so recht zusammenpassen. Die kuriosen Zufälle hingegen, die oft ans Absurde grenzten, gerieten dem Regisseur Felix Herngren manchmal doch zu albern. Besonders der Running Gag, ständig Dynamitstangen explodieren und so alle Bösewichter etwas beiläufig aus dem Film verschwinden zu lassen, verlor rasch an Originalität. Immerhin entstand so turbulente Unterhaltung mit skurrilem Personal und grotesker, aufwändig inszenierter Action, die in Deutschland 1,2 Millionen Zuschauer in die Kinos lockte. Ob es in der Fortsetzung, die nicht mehr auf einer Vorlage von Jonas Jonasson beruht, ähnlich viele werden, darf bezweifelt werden. Allan Karlsson, der erneut von dem schwedischen Komiker Robert Gustafsson gespielt wird, der alte Mann des Filmtitels, genießt mit seinem Kumpel Julius Jonsson das Leben an den schönen Sandstränden Balis. Allerdings neigt sich der Geldsegen, der ihm im Vorgängerfilm unverhofft zuteil wurde, dem Ende entgegen. Bis jemand die letzte Flasche Volkssoda öffnet, jener roten Brause, mit der die Russen während des Kalten Krieges den Amerikanern und ihrer geliebten Coca-Cola erfolgreich Paroli boten. Volkssoda – die vielleicht beste Limonade der Welt! Damit könnte man doch ein Vermögen machen. Kurzentschlossen verlassen Allan und seine Kumpel in Bademänteln das Luxushotel, prellen die Rechnung und machen sich auf die Suche nach dem Rezept. Allerdings sorgt ein YouTube-Video, das Allans freches Kapuzineräffchen Erlander beim Leeren der letzten Flasche Volkssoda zeigt, für unnötige Aufmerksamkeit. Schon heften sich britische Gangster, die CIA, die Tochter eines russischen Spions, ein obskurer schwedischer Psychiater und der Kommissar, der alle Spuren falsch interpretiert, am Schluss aber doch das Richtige tut, an ihre Fersen. Das ist die ganze Geschichte. Ein wenig ungläubig reibt man sich über ihre oberflächliche Abwegigkeit und die übertrieben verrückte Skurrilität die Augen. Auch wenn die Idee, russische Volkssoda allenthalben für Verzückung und Suchtgefühle sorgen zu lassen, durch ihre Originalität besticht, will hier vieles nicht zusammenpassen. Zu unordentlich reihen sich die einzelnen Episoden aneinander, zu folgenlos verpuffen die Gags. Die forcierte Abstrusität der Handlung, die mit einer unnötigen Schlusspointe umgeworfen und ad absurdum geführt wird, ist kein Ersatz für Stringenz und Humor. Man vermisst den Wortwitz und die originelle Situationskomik eines Jonas Jonasson, auch wenn die Regisseure, Felix Herngren und sein Bruder Mans, einige Vorgaben des ersten Teils wieder aufgreifen. Während Allan im Vorgänger beispielsweise General Franco das Leben rettete, an der Atombombe mitschraubte und irgendwie auch den Tod von Stalin mitverschuldete, bekommt er es hier mit Breschnew und Nixon zu tun. Noch wichtiger sind andere Begegnungen, etwa mit Figuren aus der Popwelt, von Andy Warhol über Lou Reed bis David Bowie. Allan hat sie alle überlebt. Das muss ihm erst mal jemand nachmachen!



