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Filmkritik
„Da steckt man nicht drinnen“, lautet eine umgangsprachliche Redensart, mit der Autofahrer den ergebnislosen Blick unter die Motorhaube zu kommentieren pflegen, wenn ihr fahrbarer Untersatz aus unersichtlichen Gründen den Dienst versagt. In „The Fast and the Furious“ steckt man als Zuschauer dagegen ausnahmsweise einmal unmittelbar „drinnen“ im Innern der pannenanfälligen Automechanik: Ausgehend von einer Einstellung, die eine Hand am Kupplungsknüppel zeigt, rast die Kamera mit Hilfe digitaler Tricktechnik ungehindert durch das Getriebe in Richtung Motorraum und rückt schließlich die explosive Wirkung einer nicht eben serienmäßigen „Lachgas-Einspritzung“ ins Bild. Um das Innenleben der menschlichen Akteure zu erkunden, wird in diesem grobmechanischen Rennfahrer-Film hingegen kein vergleichbarer Aufwand getrieben. Doch wahrscheinlich sähe das Ergebnis nicht wesentlich anders aus, denn selbst vom vielschichtigsten Charakter in „The Fast and the Furious“ heißt es, er habe „Stickstoff im Blut und im Gehirn einen Tank voller Benzin“. Weibliche Figuren werden wiederum durch Mise-en-scène und Montage den auf Hochglanz polierten Karosserien gleich gesetzt; jedenfalls folgen auf Großaufnahmen liebevoll verzierter Kotflügel regelmäßig Kamerafahrten über spärlich bekleidete Frauenkörper. Da zeugt es immerhin von Ehrlichkeit und Konsequenz, dass Regisseur Rob Cohen die mit hohem technischem Aufwand zu Rennautos umgerüsteten Mittelklassewagen, die in diesem Film in großer Zahl zu sehen sind, als seine Co-Stars bezeichnet. Zwar ist „The Fast and the Furious“ kein Remake des gleichnamigen Films, mit dem der jüngst verstorbene Samuel Z. Arkoff 1954 sein Billigfilm-Imperium begründete („Der rasende Teufel“, fd 9 353). Zumindest der Ansatz ist jedoch dem Exploitation-Kino vergangener Jahrzehnte verwandt: Um ein junges Publikum anzusprechen, wird ein visuell attraktives Phänomen amerikanischer Jugendkultur – in diesem Fall illegale Straßenrennen – so effektheischend wie möglich in Szene gesetzt. Diese Effekte entsprechen immerhin dem aktuellen Standard, denn anders als einst die Regisseure Arkoffs konnte Cohen mit knapp 40 Mio. Dollar über ein moderates Hollywood-Budget verfügen. Also vibrieren in den Rennszenen die Bilder und verschwimmen die Hintergründe, wenn mittels ausgiebig eingesetzter Computertechnik der Eindruck subjektiv erlebter Geschwindigkeit simuliert wird. Einen Gutteil des Budgets für das Drehbuch hätte Universal Pictures indes umgehend an W. Peter Iliff, den Autor von „Gefährliche Brandung“ (fd 29 143), überweisen können, da das Handlungsgerüst ganz unverkennbar Kathryn Bigelows Film entlehnt ist. Eine Bande maskierter Draufgänger hat in Los Angeles mehrfach bei voller Fahrt Lastwagen geentert und deren wertvolle Ladungen geraubt. Ihre halsbrecherischen Fahrmanöver lassen darauf schließen, dass die Täter über Erfahrungen als Rennfahrer verfügen. Also schleust die Polizei den V-Mann Brian in die Szene der illegalen Straßenrennen ein. Hauptverdächtiger ist der wortkarge Dominic, ein Star unter jenen Jugendlichen, die mit ihren chromglänzenden Fetischobjekten gemeingefährliche Rennen auf öffentlichen Straßen veranstalten. Doch Brian erliegt dem Charme von Dominics Schwester Mia und, wichtiger noch, dem Charisma Dominics, der, wie es in einem blumigen Dialogsatz heißt, „wie Schwerkraft ist – alles wird von ihm angezogen“. Wenn der Interessenkonflikt des Protagonisten im letzten Akt aufgelöst werden muss, gerät dieser nebensächliche Plot aus zweiter Hand gehörig ins Schleudern. Auch das hat jedoch nicht verhindert, dass „The Fast and the Furious“ allein in den USA weit mehr als 100 Mio. Dollar einspielte. Dieser unerwartete Erfolg gibt umso größeren Anlass zur Sorge über etwaige Auswirkungen auf das Fahrverhalten der Zuschauer. Wegen der Befürchtung, für die Folgen möglicher Nachahmer in Haftung genommen zu werden, wurde Universals Marketing-Kampagne denn auch kurzfristig von Aufrufen zu vorsichtigem Fahren begleitet. Dennoch mag einen als arglosen Verkehrsteilnehmer ein mulmiges Gefühl beschleichen, wenn das junge männliche Zielpublikum nach einer Abendvorstellung in großer Zahl in seine Autos steigt.










