The Uprising - Für die Freiheit










- Veröffentlichung10.09.2026
- RegiePaul Greengrass
- ProduktionDeutschland (2026)
- GretaUntertitel, Audiodeskription, Tonverstärkung
Cast
Vorstellungen
Filmkritik
„Ploughman“, Pflüger, will er genannt werden. Der von Andrew Garfield gespielte Protagonist von „The Uprising“ weigert sich, etwas anderes zu sein als ein einfacher Bauer. Seine Forderung nach Gerechtigkeit fußt nicht auf einem Klassenbewusstsein; und er verlangt auch nichts, was über ein mühseliges Landleben hinausgreifen würde. Tatsächlich will er, der nach einer weiteren, untragbaren Steuerforderung des Fürsten einen Aufstand beginnt, nichts weiter, als auch fortan seine kleine Moorlandschaft im spätmittelalterlichen Essex beackern zu können.
Holzkreuze, ein Bulle und ein Pflug
Das Jahr ist 1381. Das Gesicht des Ploughman trägt noch die Narben der jüngsten Pestepidemie. Sein Bett ist leer. Die Hand, die er, der Gewohnheit folgend, nach seiner Ehefrau und seinen Kindern ausstreckt, greift ins Leere. Geblieben sind drei schlichte Holzkreuze, ein Bulle und der Pflug, den er bis zur Erschöpfung über das Feld führt. Allzu viel Leid will der Film dem Publikum aber nicht zumuten. Schon bei der nächsten Steuerschröpfung hat der Pflüger genug, da ist der Bauernaufstand von 1381 längst im Rollen. Der Protagonist räumt den Tisch des Steuereintreibers ab, schlägt die Soldaten nieder, die sich an den Töchtern seiner Nachbarn vergehen, und jagt kurz darauf auch die Delegation des Fürsten aus dem Dorf.
Der Aufstand beginnt, bevor der Schmerz, der ihn ins Leben gerufen hat, zu spüren ist. Wie über die Lasten des einfachen Volkes entschieden wird, zeigt der Film nicht weniger lakonisch: Bei einem Treffen beschließt der Hohe Rat nach drei Sätzen, dass man das einfache Volk weiter besteuern müsse.
„The Uprising“ bindet sich damit weder allzu fest an die Historie noch an eine Idee der Conditio humana. Wie viel oder wenig die von Regisseur und Autor Paul Greengrass angegebene Inspiration des William-Langland-Gedichts „Piers Plowman“ mit dem Film zu tun hat, mögen andere beurteilen. Der Bauernaufstand ist jedenfalls historisch verbürgt, und der Film gibt sich sichtbar Mühe, das Spätmittelalter in seiner feuchten, erdig-grünen Ästhetik einzufangen. Weite Moore, beregnete Felder und angrenzende Wälder prägen das Bild; dazu kommt das natürliche Licht, das auf die von Wetter und Drangsal gezeichneten Körper fällt. In die Räume des Adels dringt es hingegen nur selten. Dort dominiert der Schein der Kerzen, der auf die alten Gesichter der Wohlgenährten fällt.
Nicht der König ist der Feind
Die historischen Figuren, die ihnen an den Kragen wollen, sind Wat Tyler (Cosmo Jarvis) und der Prediger John Ball (Jamie Bell). Zusammen mit dem fiktiven Ploughman sammeln sie die englischen Bauern hinter sich. Sie wollen weder das System stürzen noch einen Neuanfang verlangen, sondern – ganz im Sinne der historischen Gegenwart – ihre Anliegen dem König persönlich vortragen. Der fast noch kindliche Richard II. (Woody Norman) ist nicht ihr Feind, sondern die ihn umgebenden Räte, die Mächtigen des Klerus, des Adels und des Handels. Sie wollen den gottgleichen Knaben-König treffen, den nächtliche Albträume aus dem Schlaf reißen, und ihn davon überzeugen, dass sein Volk Besseres verdient habe als den langsamen Tod im Hamsterrad überbesteuerter Schwerstarbeit.
Für den Film bedeutet das, dass keine Schlachten um die Freiheit geschlagen, sondern Koalitionen geschmiedet werden; es gilt Adelige anzuhören, Brandschatzungen zu verhindern und Gebete zu sprechen. An Fronleichnam soll es ein Wunder geben. Für Wat Tyler und John Ball fallen Glaube und Strategie zusammen: Gott wird ein Wunder vollbringen, und sie und ihre Gefolgschaft aus Bauern und einfachen Bürgern werden zur Stelle sein, um es zu empfangen. Den Adel vor sich hertreibend, marschieren die Aufständler mit Dreschflegel, Rechen oder Sichel in der Hand auf London zu.
Man sucht nach dem Geist der Revolution
Allzu nahe kommt man den Menschen unterwegs allerdings nicht. Greengrass verhandelt das Historiendrama entlang von Tatsachen. Zwischen den Bauern, den ehemaligen Soldaten und den Messdienerinnen entsteht kaum eine tiefere Beziehung. Den Geist der Revolution, ein universelles Gefühl der Wut oder wenigstens die Schönheit des solidarischen Zusammenstehens sucht man im Film vergebens. Und das nicht, weil „The Uprising“ den Aktualitätsbezug bräuchte, der Historiendramen immer wieder abverlangt wird, sondern vielmehr, weil Regisseur Paul Greengrass sonst nicht viel im Angebot hat. Wo die Bauernbewegung auf ihren historischen Ausgang zusteuert, hat der Film keine dahingehende Zuspitzung zu bieten.
Statt die Historie konsequent auszuerzählen, lässt der Film sie mit einer Volte ins Leere laufen. Das begonnene Historiendrama biegt im letzten Moment in Richtung der Legendenbildung ab. Verdient hat sich „The Uprising“ aber weder den aus dem Hut gezauberten Robin-Hood-Mythos noch die Historie, mit der der Film sich schmückt.

