Filmplakat von Fall

Fall

107 min | Thriller
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Für die besten Freunde Becky und Hunter geht es im Leben vor allem darum, Ängste zu überwinden und an Grenzen zu gehen. Aber nachdem sie 2.000 Fuß auf die Spitze eines abgelegenen, verlassenen Funkturms geklettert sind, finden sie sich ohne Weg nach unten gestrandet. Jetzt werden Beckys und Hunters Kletterkünste auf eine harte Probe gestellt, während sie verzweifelt darum kämpfen, die Elemente, den Mangel an Vorräten und die schwindelerregende Höhe zu überleben.

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Filmkritik

Beckys (Grace Caroline Currey) Blick fällt auf ein Plastikdöschen mit Tabletten. Seit ihr Mann bei einem Kletterunfall verunglückt ist, hat sie erfolglos versucht, ihren Schmerz im Alkohol zu ertränken. Doch gerade als sie ihrem Leben ein Ende setzen will, klingelt ihre beste Freundin Shiloh (Virginia Gardner) an der Tür. Die überdrehte Influencerin mit dem sprechenden Pseudonym „Danger D“ erweist sich als Gegengift für jede Depression. Das Rezept ihres wilden Lifestyles: Nicht zu viel nachdenken, sondern die Intensität jedes Moments auskosten.

Der Survival-Thriller „Fall – Fear Reaches New Heights“ erzählt zuerst im übertragenen und später im sehr buchstäblichen Sinn von der Gefahr, den Halt zu verlieren. Shiloh möchte Beckys Trauma mit einer radikalen Konfrontationstherapie besiegen. Gemeinsam wollen die beiden Frauen auf einen stecknadelförmigen, über 600 Meter hohen Funkturm mitten in der Mojave-Wüste klettern. Um das Leben wieder zu schätzen, muss es Becky erst einmal leichtsinnig aufs Spiel setzen. Todesangst dient dabei als Nährboden, aus dem eine starke Persönlichkeit wächst.

Gefangen in schwindelnder Höhe

Schon beim Hochklettern auf den Turm dürfte es vielen Zuschauern den Magen umdrehen. Zögerlich und ängstlich folgt Becky ihrer waghalsigen Freundin, greift mit zittrigen Händen nach dem rostigen Geländer, während sich in Großaufnahmen die Schrauben lockern. Stets macht die Kamera uns dabei die Höhe und Verlassenheit des Schauplatzes bewusst. Nachdem wenig später eine Leiter wegbricht, sind die beiden Frauen plötzlich auf der beengten Plattform unterhalb der Turmspitze gefangen. Die minimalistische Ausgangssituation und ihre Aussichtslosigkeit erinnert an Horrorfilme wie „Open Water“ und „47 Meters Down“, die auf offener See angesiedelt sind. Mit einem der beiden Filme teilt „Fall“ sogar einen entscheidenden Twist.

In dem klapprigen, absurd hohen Gefängnis spielen zunächst noch akrobatische Herausforderungen eine Rolle, später aber dann vor allem taktische Überlegungen. Denn bald zeichnet sich ab, dass die beiden den Turm ohne fremde Hilfe nicht verlassen können. Ein Handy, das in der Höhe keinen Empfang hat, eine Drohne mit fast leerer Batterie und eine Signalpistole mit nur einer Patrone sind einige der begrenzten Hilfsmittel, die theoretisch einen Ausweg bieten könnten. Der Hunger und die lauernden Aasgeier zählen wiederum zu den Bedrohungen, durch die die Situation immer mehr zum grausamen Überlebenskampf wird.

Die Geier warten schon!

„Fall“ lebt vor allem von seinem effektiven Spiel mit menschlichen Urängsten. Ständig lauern die unbehagliche Höhe, der drohende Kontrollverlust und freie Fall. Oft ist es nur ein Blick nach unten oder ein kurzes Taumeln, das für schwitzende Hände und nagende Beklemmung bei den Zuschauern sorgt. Obwohl das Budget des Films mit 3 Millionen Dollar relativ gering war, lebt „Fall“ von seinem realistischen Look. Statt überwiegend auf Green-Screen-Aufnahmen zu vertrauen, wurde für die Dreharbeiten die Spitze des Turms auf einem Berg nachgebaut. Das Gefühl der Höhe wirkt dadurch lebensecht und angemessen furchterregend.

Neben ihrer misslichen Lage haben die beiden Frauen bald auch noch ein Hühnchen aus der Vergangenheit zu rupfen. Der melodramatische Erzählstrang wirkt zwar etwas abgeschmackt, sorgt aber auch dafür, dass sich Regisseur Scott Mann nicht allein auf die Höhenangst seines Publikums verlassen muss. Auch die beiden meist aus nächster Nähe gefilmten Protagonistinnen bleiben interessant, nicht zuletzt, weil sie so unterschiedlich sind. Während die ständig Selfies schießende Shiloh ein heldinnenhaftes Trugbild von sich erschafft, ist die introvertierte Becky zunächst bibbernder Ausdruck menschlicher Verwundbarkeit. Die psychologische Ebene bleibt zwar schlicht, aber die Verschränkung aus persönlicher Krise und lebensbedrohlicher Situation verleiht dem Film Geschlossenheit. In erster Linie geht es hier aber ohnehin ums schwindelerregende Spektakel.

Erschienen auf filmdienst.deFallVon: Michael Kienzl (2.4.2024)
Vorsicht Spoiler-Alarm!Diese Filmkritik könnte Hinweise auf wichtige Handlungselemente enthalten.
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