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We'll Find Happiness

101 minDramaFSK 16
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Saad, ein junger marokkanischer illegaler Einwanderer, plant mit Reza, seinem iranischen Liebhaber, eine gefährliche Reise nach Kanada. In Montreal wird Saad aufgefordert, seinen Geliebten vor der drohenden Deportation in den Iran zu retten, wo eine unvermeidliche Bestrafung auf ihn wartet.

Während der Muezzin zum Morgengebet ruft, fegt eine Frau das Laub auf der Terrasse zusammen. Die Kamera zoomt in die Ferne; an einem Baukran baumeln die leblosen Körper zweier Männer. Reza (Aron Archer), der in einer Scheinehe frisch verheiratet ist, erwacht. Unklar ist, ob das Schreckensbild Angsttraum, Rück- oder Vorausblende ist oder ob sich die Hängung in diesem Moment tatsächlich vor seiner Haustür ereignet. Wenig später befindet sich Reza auf der Flucht, da er mit seinem Liebhaber von der iranischen Sittenpolizei aufgespürt wurde. Er rennt und rennt. Irgendwann ändert sich die Umgebung. In der Ferne sind moderne Hochhäuser zu sehen. Reza rennt – ein Schnitt macht es möglich – nach Montreal. Aber auch dort wird er von der Polizei verfolgt. Verzweifelt sucht er Unterschlupf in einer Kirche.

Fluchtdrama und Liebesgeschichte

Den langen, mühsamen Weg vom Iran nach Kanada erzählt „We’ll Find Happiness“ in zahlreichen Rückblenden. In der Gegenwart ist der marokkanische Taxifahrer Saad (Mehdi Meskar), den Reza in einem Flüchtlingslager kennen und lieben lernte, damit beschäftigt, seinen untergetauchten Freund vor der Abschiebung zu retten. Als Migrant ohne Papiere und Fingerabdrücke – die Fingerkuppen hat er sich vor einer Razzia selbst verbrannt –, ist er faktisch nicht existent und wird deshalb mit befristetem Aufenthaltsstatus im Exilland nur geduldet.

Vor dem Hintergrund einer inzwischen auch im LGTBQ-freundlichen Kanada zunehmend restriktiveren Einwanderungspolitik erzählt die aus Quebec stammende Filmemacherin Léa Pool ein Fluchtdrama, das sich mit der queeren Liebesgeschichte und dem Thriller mischt. Das Drehbuch stammt von dem kanadischen Dramatiker Michel Marc Bouchard, dessen Theaterstück „Tom à la ferme“ 2013 von Xavier Dolan verfilmt wurde. Als Drehbuchautor scheint er jedoch keine sonderlich glückliche Hand zu haben. Die Erzählung wirkt durch die ständigen Zeitsprünge zerfasert, und auch die unterschiedlichen Genreelemente greifen nicht stimmig ineinander.

Gloria Price (Sascha Ley) ist der schillernde Name der Immigrationsministerin, an die Saad mit allen Mitteln heranzukommen versucht. Zugang verspricht er sich über einen ihrer engsten Mitarbeiter, den er mit seinem Taxi aufgabelt und offensiv anflirtet. Anders als Reza, dem wegen seiner sexuellen Orientierung im Iran der Tod droht, und anders als Saad, der in seiner Heimat auf der Straße zusammengeschlagen wurde, lebt Laurent (Alexandre Landry) offen schwul. Nach einer ersten gemeinsamen Nacht ist der gutgläubige politische Berater bis über beide Ohren verknallt. Zum Misstrauen seiner Freunde und Arbeitskollegen stellt er Saad schon bald als seinen neuen Partner vor. Derweil verzweifelt Reza im Kirchenasyl immer mehr an seiner aussichtslosen Lage.

Der erste öffentliche Kuss

Überwältigt von plötzlichen Erinnerungen, entfaltet sich die Vorgeschichte der beiden Männer: die gewaltsame Räumung des illegalen Lagers in Spanien, wo Reza und Saad in einer Mülltrennungsanlage mehr oder weniger Zwangsarbeit verrichteten, bis ihnen die Flucht auf einem Lastwagen gelang, die Überfahrt nach Kanada in einem Schiffscontainer und die fatale Anhörung vor Gericht, in der Reza unter großen Widerständen über sein sexuelles Leben Auskunft erteilen musste. Aber auch die erste hoffnungsvolle Zeit in einem queerfreundlichen Umfeld, der erste öffentliche Kuss beim Baden im Fluss, das gemeinsame Lernen für den Staatsbürgerschaftstest.

Es sind eher kurze, emotional geladene Momentaufnahmen als differenzierte Szenen, in denen die Figuren sich entwickeln könnten. „We’ll Find Happiness“ ist kein Film der Zwischentöne. Er platzt im Gegenteil mit allem ständig heraus. Etwa wenn Laurent seinen schönen Freund zum Essen mit Kollegen ausführt und sich die sozialen und kulturellen Unterschiede für Saad zum Abgrund weiten. Am ehesten trägt noch die Liebesgeschichte zwischen den ungleichen Männern, denn für Saad mischen sich irgendwann echte Gefühle ins strategische Verhältnis. Doch der Film ist zu sehr mit der Bewältigung seines erzählerischen Überschusses beschäftigt, als dass für diese Entwicklung genügend Raum bliebe.

Die wahre Identität

Fast schon rührend naiv gerät das dramatische Finale, das in einer Countdown-Parallelmontage in Szene gesetzt ist. Während Reza in Handschellen zum Flughafen gebracht wird, wo ihn das Flugzeug in den Iran zurückbringen soll, lanciert Laurent, der dabei seine Karriere riskiert, kurzerhand eine Social-Media-Kampagne und ein Zusammentreffen von Saad mit seiner Chefin bei einer öffentlichen Veranstaltung. Reza bekennt seine wahre Identität. Er opfert sich. Eine Heldenerzählung.

Veröffentlicht auf filmdienst.deWe'll Find HappinessVon: Esther Buss (30.7.2026)
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