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Prophecy of the Devil

94 minFantasy, Horror
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In einem abgelegenen Dorf im Ägypten der Römerzeit bricht ein spiritueller Krieg aus, als ein Zimmermann, seine Frau und ihr Kind ins Visier übernatürlicher Kräfte geraten.

Ein Horrorfilm über den jungen Jesus Christus. Schon die Prämisse von Lotfy Nathans „The Carpenter’s Son“ (so der Originaltitel des in Deutschland etwas reißerischer als „Prophecy of The Devil“ herausgebrachten Werks) klingt nach kalkulierter Provokation, und tatsächlich schlug dem Film bereits vor seinem US-Kinostart eine Welle empörter Kommentare entgegen, meist von Leuten, die den Film zu dem Zeitpunkt nicht vollständig gesehen hatten. Bereits die Trailer-Veröffentlichung hatte für Gesprächsstoff gesorgt.

Der Blasphemie-Vorwurf liegt angesichts der Thematik natürlich nahe, geht aber am Wesen dieses eigentümlichen Werks vorbei. Denn Regisseur Nathan, der aus einer koptisch-orthodoxen ägyptischen Familie stammt, in London aufwuchs und heute in New York lebt, meint es mit seinem Stoff ernst. „Prophecy of The Devil“ ist kein bloßer Exploitation-Spaß auf Kosten des Christentums, sondern der aufrichtige Versuch, die biblische Überlieferung durch die Linse des Genrekinos neu zu befragen. Nach seinem gefeierten Dokumentarfilmdebüt „12 O’Clock Boys“ über jugendliche Dirtbike-Fahrer in Baltimore und dem in Tunesien gedrehten Spielfilm „Harka“ wagt sich der Regisseur nun an sein bislang ambitioniertestes Projekt.

„Unheil folgt uns“

Als Inspirationsquelle dient das apokryphe Kindheitsevangelium nach Thomas, einer jener frühchristlichen Texte, die nicht in den Kanon des Neuen Testaments aufgenommen wurden. Die vermutlich Ende des zweiten Jahrhunderts entstandene Schrift berichtet von Wundertaten des Jesuskindes zwischen fünf und zwölf Jahren. Nathan nimmt sich Freiheiten und setzt im Hinblick auf das Lebensalter seiner Figur später an. Ein Prolog zeigt die Geburt in einer Höhle im Feuerschein, ein himmlisches Licht erscheint dem Zimmermann, den eine dunkle Ahnung erfasst. „Sie werden kommen, um ihn, den König zu töten.“

Auf einem Esel führt Zimmermann Joseph die Mutter und ihr Neugeborenes an mordenden Soldaten vorbei, die auf Geheiß des Herrschers Herodes alle neugeborenen Knaben töten, weil diesem ein kommender König prophezeit wurde, der seine Macht bedrohe. Dass dabei kurz auch ein Säugling in den Flammen zu sehen ist, gehört zu den geschmackloseren Entgleisungen des Films. Es folgen Jahre im Exil und Versteck in den Bergen. „Unheil folgt uns“, heißt es aus dem Off, und dieses Unheil bildet den Grundton des Films.

Der Teufel in listiger Gestalt

Fünfzehn Jahre später lebt die Familie, im Film konsequent namenlos als der Zimmermann (Nicolas Cage), die Mutter (FKA Twigs) und der Junge (Noah Jupe) geführt, in einer neuen Siedlung im römisch besetzten Ägypten. Der Vater findet Arbeit, der Sohn aber, ein Leben lang in Angst gehalten und von den Eltern überbehütet, beginnt sich den Restriktionen zu widersetzen. Er begegnet der stummen Nachbarstochter Lilith (Souheila Yacoub) und einem fremden Mädchen, dessen Gesicht von Narben überzogen ist. „Ich habe keinen Vater, und ich spiele den ganzen Tag. Willst du mit mir spielen?“

Was wie eine Heranwachsenden-Freundschaft beginnt, entpuppt sich schließlich als schicksalhafte Versuchung. Der Vater hat den Sohn gewarnt, dass Satan in Gestalten erscheinen kann, die sich an unseren Schwächen ausrichten. Bei einem grausamen Spiel stößt die Fremde den Jungen auf einen Leprakranken, doch statt sich anzustecken, heilt er den Mann. „Du bist göttlich“, raunt es ihm vom Geheilten entgegen.

Vater-Sohn-Drama

Fortan eskalieren die Ereignisse. Lilith erleidet nach einer nächtlichen Entführung einen Krampfanfall, beißt ihrer Helferin tief ins Fleisch, der Junge – der Kontakt zu der scheinbar besessenen Frau hatte – wird der schwarzen Magie beschuldigt. In Visionen sieht er seinen zerschundenen, ans Kreuz geschlagenen Leib. Später begegnet er realen ans Kreuz Geschlagenen und Gefolterten, die man der Zauberei bezichtigt.

Die Fremde treibt derweil einen Keil zwischen Vater und Sohn, sät Zweifel an dessen Herkunft, bis der Junge, gerade von einer Schlange gebissen, dem Zimmermann die Frage entgegenschleudert, die den Kern des Films bildet: „Sag mir, wer mein Vater ist!“

Visuell wirkungsvoll

Nathan inszeniert das packend, mit einfachen, mitunter kruden, aber effektiven Bildern. Simon Beaufils’ auf 35mm gedrehte Einstellungen finden in den kargen griechischen Landschaften, die als Ersatz für die unzugänglichen ägyptischen Originalschauplätze dienen, Perspektiven von düsterer Schönheit. Ein blutrot glühender, ominöser Himmel bleibt ebenso in Erinnerung wie die vielen Nachtszenen, in denen das stimmige Produktionsdesign von Jean-Vincent Puzos, der schon Hanekes „Amour“ ausstattete, eine bedeutungsschwangere Atmosphäre heraufbeschwört. Auf der Tonspur zischt es dämonisch, ein Mann scheint in fremden, bedrohlichen Zungen zu sprechen, und die Musik von Lorenz Dangel legt einen beschwörenden Horror-Vibe über das Geschehen.

Das Ensemble des Films weiß zu überzeugen. Noah Jupe spielt den jungen Jesus mit bedachter Zurückhaltung als Heranwachsenden, der zwischen Neugier, Trotz und dem überwältigenden Gefühl des eigenen Machterlebens schwankt. Popstar FKA Twigs verleiht der Mutter Jesu eine stille, an Rätselhaftigkeit grenzende Würde. Die Entdeckung des Films aber ist Isla Johnston als „die Fremde“, eine magnetische Präsenz, ihre Blicke wirken auf Zuschauer fast schon hypnotisch. Ihrer Figur verleiht die Darstellerin eine Mischung aus Unheimlichkeit, Verführung, Boshaftigkeit und – gegen Ende – eine Tragik.

Nicolas Cage mit biblischem Ernst

Bleibt natürlich noch der notorische Nicolas Cage, der hier zugleich als Produzent fungiert. Kaum ein Schauspieler in Hollywood hat sein Handwerk derart konsequent in Richtung Exzess getrieben wie er. Sein Markenzeichen ist ein expressionistisches, jederzeit auf Totalausbruch setzendes Spiel voller manischer Entladungen und jäher Eskalationen, teils am Method-Acting orientiert, teils an einer grellen, stilisierten Künstlichkeit, das ihn zuletzt in Filmen wie „Mandy“ oder „Longlegs“ zur umjubelten Ikone des Overactings gemacht hat. Gemessen daran agiert Cage in „Prophecy of the Devil“ erstaunlich diszipliniert und ernsthaft.

Doch sein diesbezügliches Image holt ihn bisweilen ein. Wann immer der Zimmermann in Furcht oder Zorn die Stimme erhebt, etwa wenn er klagt, sein Glaube sei zu einer zerbrochenen Krücke geworden, wartet man als Zuschauer geradezu reflexhaft auf die vertrauten Ausraster. Cage ist längst selbst zu einem filmischen Spezialeffekt geworden, einerseits zu speziell für den biblischen Ernst dieses Projekts, andererseits auch seltsam passend.

Das Kultpotenzial ist unverkennbar

Genau in dieser Reibung liegt die Eigenart des Films. „The Carpenter’s Son" vereint die Ernsthaftigkeit der Hollywood-Bibelepen der 1950er-Jahre oder auch einer „Passion Christi“ mit einer kruden B-Movie-Sensibilität, ein seltsamer Filmzwitter, der es schwer haben dürfte, ein klar umrissenes Publikum zu finden. Gläubige werden das Blasphemische fürchten, Horrorfans die Langeweile. Der mitunter „over the top“ geratene Ansatz prädestiniert Nathans Film geradezu für Mitternachtsvorführungen in Programmkinos, sein Kultpotenzial ist unverkennbar. Doch wer sich auf ihn einlässt, findet weit mehr als unfreiwillige Komik und Genre-Hingabe. Der Film stellt die Frage, warum manche von uns gut werden und andere böse, und verhandelt am Beispiel seines heranreifenden Erlösers, wie man dem Bösen widerstehen kann, ohne selbst hart zu werden und sich dergestalt wieder in dessen Dienst zu stellen.

Darin steckt, ob beabsichtigt oder nicht, ein Plädoyer gegen die Grausamkeit einer Zeit, in der vielerorts Härte als Tugend ausgegeben und Mitgefühl als „toxische Empathie“ verhöhnt wird. Ein Werk, das sich schwer vergleichen lässt und gerade deshalb für Eingeweihte reizvoll ist, die Filmerfahrungen jenseits starrer Genrekonventionen suchen. Die Apokryphen als finsteres Horrormärchen, das ist kein großer filmischer Wurf, aber ein bemerkenswert eigensinniger.

Veröffentlicht auf filmdienst.deProphecy of the DevilVon: Chris Schinke (28.8.2026)
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